Studienfachberatung Bachelorstudiengänge im Land Berlin

Studienfachberatung Bachelorstudiengänge im Land Berlin

In Bachelor-Studiengängen organisiert die Studienfachberatung in der ersten Hälfte des dritten Studienplansemesters für alle Studierenden des Studiengangs eine gemeinsame Studienverlaufsberatung. 

Haben Sie nach der Hälfte der Regelstudienzeit Ihre Studienziele zu weniger als 1/3 erreicht, ist die Teilnahme an Studienfachberatungen zur Förderung eines erfolgreichen Studienverlaufs verpflichtend. Sie werden dazu über Ihre Beuth-E-Mail-Adresse verbindlich eingeladen. 

Studienverlaufsberatung -

Versäumte Studienfachberatung und Exmatrikulation

In einigen Bundesländern, z.B. in Berlin ist die Studienfachberatung unter gewissen Umständen verpflichtend. Ziel der Studienfachberatung ist der Abschluss einer Studienverlaufsvereinbarung. Darin wird die Planung des Studiums „verfasst“. Die betroffenen Studierenden verpflichten sich zu bestimmten Maßnahmen, um die Studienziele zu erreichen. Weitere zur Förderung des Studienverlaufs geeignete Maßnahmen werden vereinbart.

Kommt keine entsprechende Verlaufsvereinbarung zustande, wird die/der Student/in verpflichtet, innerhalb einer Frist bestimmte Studien- und Prüfungsleistungen zu erbringen. Hierbei ist die persönliche Situation der Studierenden angemessen zu berücksichtigen. 

Der/Die Student/in ist nach § 15 Satz 3 Nr. 1a des Berliner Hochschulgesetzes zwingend zu exmatrikulieren, wenn er/sie

•der Verpflichtung zur Teilnahme an der Studienfachberatung nicht nachgekommen ist oder

•die in einer Studienverlaufsvereinbarung oder in einer Verpflichtung  festgelegten Anforderungen bis zum festgesetzten Zeitpunkt zu weniger als einem Drittel erfüllt hat.

Mit der Aufforderung zur Teilnahme an der verpflichtenden Studienfachberatung ist der/die Studierende auf die gegebenenfalls folgende Exmatrikulation hinzuweisen, andernfalls ist die Exmatrikulation nicht zulässig.

In dem vom Verwaltungsgericht Berlin vor kurzem entschiedenen Fall ging es um einen Medizinstudenten, der im 13. Semester noch nicht den Ersten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung abgelegt hatte: Mit Schreiben vom 25. Juli 2016 lud die Charité den Kläger zur Studienfachberatung am 8. September 2016 ein. Die Voraussetzungen zur Einladung zur Fachberatung erfülle der Kläger, der sich im 13. Fachsemester des Studiengangs Humanmedizin befinde, er aber das Physikum noch nicht erfolgreich absolviert habe. Der Studienplan sehe indes vor, dass bereits nach Ablauf der halben Regelstudienzeit das Physikum sowie zwei klinische Semester absolviert seien, so dass davon auszugehen sei, dass der Kläger weniger als ein Drittel der zu erbringenden Leistungspunkte oder Studienleistungen erreicht habe. Die Charité wies den Kläger darauf hin, dass er verpflichtet sei, zu dem Termin zu erscheinen und dass er exmatrikuliert werde, wenn er dieser Verpflichtung nicht nachkomme. Die Einladung wurde per Einwurfeinschreiben versandt. Gemäß Sendungsverfolgung der Pin AG wurde die Sendung am 29. Juli 2016 zugestellt. Der Kläger erschien zur Studienberatung am 8. September 2016 nicht. Daraufhin exmatrikulierte die Charité den Kläger mit Bescheid vom 10. Oktober 2016.

Die Klage dagegen blieb erfolglos.

Der Kläger wandte ein: Da die Regelstudienzeit im Regelstudiengang Humanmedizin 10 Fachsemester und drei Monate betrage, hätte die Charité eine Studienfachberatung nach spätestens sieben Fachsemestern durchführen müssen. Dies habe sie nicht getan. Da die Charité im Regelstudiengang seit vier Semestern keine Lehrveranstaltungen mehr anbiete und keine Äquivalenzliste der nunmehr angebotenen Lehrveranstaltungen in dem neuen Studiengang veröffentlicht habe, fehle es schon an der Voraussetzung für die Einladung zu einer verpflichtenden Studienfachberatung. Er sei auch nicht verpflichtet gewesen, zu einer Studienfachberatung während der vorlesungsfreien Zeit zu erscheinen.  Im Übrigen habe er die Einladung zur Studienfachberatung erst am 21. Oktober 2016 von einem Mitbewohner erhalten; er habe zwischen Mitte Juli bis Ende August 2016 nicht in seiner Wohnung gewohnt und sie einem Freund zur alleinigen Nutzung überlassen. Dieser Freund habe entgegen der Absprache mit dem Kläger die eingehende Post nicht unmittelbar an den Kläger weitergegeben, sondern dies erst am 21. Oktober 2016 getan.

Das Gericht beurteilte den Exmatrikulationsbescheid zu Recht als rechtmäßig. Nach § 28 Abs. 3 BerlHG können Hochschulen des Landes Berlin in ihren Rahmenstudienordnungen– und –prüfungsordnungen vorsehen, dass nach Ablauf der Hälfte der Regelstudienzeit die Teilnahme an Studienfachberatungen im Hinblick auf nicht erreichte Studienziele zur Förderung eines erfolgreichen Studienverlaufs verpflichtend ist, wenn die Studienziele des bisherigen Studiums zu weniger als einem Drittel der zu erbringenden Leistungspunkte erreicht wurden. Von dieser Ermächtigung habe die Charité – rechtmäßig - Gebrauch gemacht.

Die Ladung zur Studienfachberatung vom 25. Juli 2016 sei dem Kläger ordnungsgemäß zugestellt worden und gelte damit als zugegangen. Sie erfolgte an die seitens des Klägers der Charité mitgeteilten Anschrift. Dass der Kläger die Ladung tatsächlich erst, wie er vorträgt, nach dem Termin zur Studienfachberatung seitens eines Mitbewohners erhalten hat, ist unerheblich. Für den Zugang reicht es aus, dass der Kläger mit Einwurf in den zu seiner Wohnung gehörenden Briefkasten die Möglichkeit der Kenntnisnahme hatte. Die vorübergehende Abwesenheit von der Wohnung, ist für die Frage des Zugangs unerheblich, zumal der Kläger sogar mit dem Eingang von Schreiben rechnete und  seinen Mitbewohner beauftragt hatte, ihm die eingehende Post weiterzugeben. 

Die Voraussetzungen zur Ladung zur Studienfachberatung seien erfüllt. Der Kläger konnte auch zu einem späteren Zeitraum als genau nach Ablauf der Hälfte der Regelstudienzeit zur Studienfachberatung geladen werden. Voraussetzung ist allein, dass der Student bzw. die Studentin nach Ablauf der Hälfte der Regelstudienzeit im näher umschriebenen Studienverzug ist, was beim Kläger unstreitig vorlag. Entgegen der Ansicht des Klägers könne eine Studienfachberatung auch während der vorlesungsfreien Zeit erfolgen; Gegenteiliges ergebe sich nicht aus den Vorschriften des Berliner Hochschulgesetzes.

Die Ladung zur Studienfachberatung sei auch nicht aus anderen Gründen rechtswidrig.

Unser Tipp: Bei ungewöhnlichem Studienverlauf stets jede Beratungsmöglichkeit in Anspruch nehmen.