Tippfehler schafft hunderte neue Studienplätze

Tippfehler schafft hunderte neue Studienplätze im Fach Soziale Arbeit an der  Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in Regens­burg -  In Regensburg haben versehentlich statt 150 mehr als 700 Bewerber eine Zusage für das Fach „Soziale Arbeit“ bekommen. Nun droht Chaos

Der Kanzler der OTH bezeichnet die Situation zu Recht als „dramatisch“: Wenn bald das Wintersemester anfängt, werden deutlich mehr Bewerber als ge­plant ihr Studium im Fach Soziale Arbeit an der OTH in Regens­burg beginnen, bis zu 450 zusätzliche Erst­semester könnten es sein. Alles nur wegen eines kleinen Eingabefehlers. 

So berichtete vor einigen Tagen das Nachrichtenportal Regensburg Digital über einen Tippfehler, der die Hochschule „ins Chaos stürzen“ könnte. Es geht um das Studienfach Soziale Arbeit und um das Online-Programm „Dialogorientiertes Serviceverfahren“ – kurz DoSV - , das über die Stiftung für Hochschulzulassung (früher: ZVS) die Vergabe von Studienplätzen für die Hochschulen eigentlich einfacher – und vor allem schneller - machen sollte. Nur für 150 Erstsemester hatte die OTH Studienplätze bereitgestellt und eine entsprechende Satzung erlassen. 

Doch weil ein IT-Mitarbeiter die Deckelung nicht korrekt in die DoSV-Datenbank eingetippt hatte, erhiel­ten plötzlich mehr als 700Bewerber im Namen der OTH ein An­gebot für ein Studium in Regensburg. Der IT-Mitarbeiter sei „In der Zei­le verrutscht“. 

Nun hat die OTH ein Problem. Es fehlt nicht nur am Lehrpersonal, um alle ange­henden Sozialpädagogen zu betreuen, es fehlt auch an Hörsälen und Seminarräu­men. Der Kanzler erwartet „die ein oder andere Unbequemlichkeit“ - zum einen für die Dozenten, die sich auf Überstunden ein­stellen müssen; zum anderen für die Stu­denten, die in größeren Kursen enger zusammenrücken müssen. Immerhin: Von den mehr als 700 Bewerbern, die ein Studi­enangebot bekamen, haben sich weniger als 600 tatsächlich eingeschrieben. Um die Zahl noch weiter zu drücken, hat die OTH allen potenziellen Neulingen angeboten, ihr Studium auch noch im kommenden Sommer- oder Wintersemester beginnen zu dürfen. Erfahrungsgemäß treten zu­dem nicht alle eingeschriebenen Studen­ten ihr Studium auch an. Trotzdem rech­net die OTH mit rund 500 Erstsemestern. Viele, die einen Platz nicht nur in Regensburg erhalten haben, sondern – eventuell – auch woanders – werden das Chaos scheuen.

Was dem IT-Mitarbeiter blüht, der die Sache verbockt hat, ist offen: „Ein blöder Fehler“ sei das ge­wesen, andererseits „ein Fehler, der jedem passieren kann“ und auch deshalb passiert sei, weil – und dies ist in unseren Augen eine ausgesprochen „bayerische“ Entschuldigung (die SfH, ein Organ aller Bundesländer, sitzt in Dortmund) - das Zulassungssystem DoSV nicht optimal funktioniere. Endres sagt: „Bei ei­ner Online-Bestellung sehe ich, was in mei­nem Warenkorb liegt, bevor ich endgültig bestelle“, beim DoSV-Programm dagegen fehle diese Funktion. Deshalb habe nie­mand mehr prüfen können, ob alle Einga­ben korrekt waren.

Wir haben die SfH angeschrieben, ob dies zutrifft und werden über die Antwort berichten. Soweit die OFT behauptet: „Seit sieben Jahren gibt es das Programm, doch die technischen Mängel werden nur lang­sam weniger“ entspricht dies nicht unseren Erfahrungen.

Dies ist mit Sicherheit auch nicht ein Grund dafür, weshalb im Wintersemester 2016/2017 (je nach Blinkwinkel „nur“ oder „immerhin“103 der rund 180 staatlichen Hochschu­len mit dem Programm arbeiteten, das demnächst flächendeckend an allen deut­schen Hochschulen eingesetzt werden soll, um Mehrfachbewerbungen von Studienan­fängern zu koordinieren.

„Ich gehe davon aus, dass unser Team im Dialog mit der OTH Regensburg steht“, sagte Patrick Hol­termann, Sprecher der SfH, die für die Datenbank ver­antwortlich ist. Man sei „bestrebt, die Anre­gung aufzunehmen“ um das Zulassungs­system weiter zu verbessern.

Kurz nach Beginn der Bewerbungsfrist hatte die OTH Regensburg ihren Fehler zwar bemerkt, doch war es da bereits zu spät, die Sache zu stoppen. Der Grund: Je­der Bewerber, der ein Studienangebot über DoSV annimmt, wird von den Bewerberlisten anderer Hochschulen gelöscht, an denen er sich noch beworben hatte. Hät­te die OTH das Bewerbungsverfahren also nachträglich korrigiert, hätte dies einen Wettbewerbsnachteil für manche Bewer­ber bedeutet. Die Zulassungshürde für das Fach Soziale Arbeit lag in Regensburg zuletzt bei einem Abiturschnitt von 2,1. We­gen des Tippfehlers steht das Studium nun denen offen, die das Abi nur mit „Ach und Krach“ bestanden haben.